Blogs – reine Selbstdarstellung oder sinnvoll?
„Schau einfach in mein Blog“ – diese Äußerung lässt viele noch immer ratlos zurück. Außerhalb der so genannten Welt 2.0 gilt das Blog noch immer als reine Selbstdarstellung.
„Blogger sind die neuen Exhibitionisten“ – diesen Eindruck könnte man bekommen, wenn man sich nur flüchtig mit dem Medium beschäftigt. Aber ist ein Blog wirklich nur Seelenstriptease?
Mit dem Web 2.0 wird oft mehr oder weniger ehrfurchtsvoll eine Gruppe von Menschen beschrieben, die auch gern als Nerds, also Computerfreaks bezeichnet werden. Sehr viele Menschen wissen gar nicht, dass sie selbst durchaus aktiver Teil dieser Welt Web 2.0 sind. Eine Eintrittskarte in diese Welt ist unter anderem eine Anmeldung in einem der zahlreichen sozialen Netzwerke.
Web 2.0 bedeutet nicht mehr, als dass die Verbreitung von Information nicht mehr einseitig geschieht. Waren früher Nachrichten hauptsächlich medienbasiert, so kann heute jeder über bestimmte Netzwerke oder ein eigenes Blog Nachrichten ins Internet stellen. Der Bau einer eigenen Webseite war nie so einfach wie heute. Und trotzdem haben Blogs noch immer den Ruf, der reinen Selbstdarstellung zu dienen.
Der Ursprung des Wortes „Blog“ liegt bei „Web-Log“. Dies wiederum ist eine Kombination aus „World Wide Web“ und „Logbook“. Das Logbuch ist eine Art Tagebuch aus dem maritimen Bereich, in dem der Kapitän die tagesaktuellen Ereignisse einschrieb. Insofern ist ein Blog also ein Web-Tagebuch. Als solches wird es von einem Großteil der Verfasser, also der Blogger, auch genutzt. Jedoch gibt es auch Themenblogs, Firmenblogs oder Politikblogs, die mit einer Selbstdarstellung nichts zu tun haben. Hierbei handelt es sich meist um Blogs, die ihrerseits Informationen zur Verfügung stellen, um dem Nutzer ein vollständigeres Bild zu ermöglichen, als dies die klassischen Medien allein bieten.
Blogger unterliegen der Impressumspflicht. Das bedeutet, auf ihrer Webseite muss angegeben sein, wer für die eingestellten Texte verantwortlich zeichnet. Das erleichtert es allerdings leider auch windigen Anwälten, Abmahnungen zu schreiben, wenn es um angebliche Verletzungen von Marken oder ähnliches geht. Besonders in den vergangenen Jahren haben hier die Rechtsanwälte Waldorf Frommer traurige Berühmtheit erlangt.
Blogs sind also weit mehr als reine Plattformen zur Selbstdarstellung. Sie dienen heute als Marketinginstrument (beispielsweise für einen Steuerberater in Hamburg) ebenso wie als Reisetagebuch, als Firmenwebseite oder als Themenblog (beispielsweise für Golf-Schläger oder anderes).